Vereinsheim 2013

Zeppenfeld 1812

Vereinsheim 2013

Der Freie Grund im Jahre 1812
(Auszug aus einer Veröffentlichung des Siegerländer Heimatvereins im September 1961.
Zusammenstellung von Friedrich Ludwig Duncker)

1812 besteht der Freie Grund aus zwei gemeinschaftlichen Ämtern Neunkirchen und Burbach, unter welche beinahe alle Dörfer geteilt sind, jedoch auf ungleiche Weise, indem zum Amt Burbach eine größere Anzahl Häuser gehört als zum Amt Neunkirchen.
Eine andere herrschaftliche Einteilung ist die in den Ober- und Untergrund, wovon jener die sechs östlichen (Wahlbach, Burbach, Lippe, Gilsbach, Würgendorf, Oberwilden, Heistern, Eichen), dieser die 6 westlichen Dörfer (Seelbach, Struthütte, Neunkirchen, Salchendorf, Zeppenfeld, Wiederstein) begreift. Ein kleiner Fluß, die Müschenbach, bildet die Grenze zwischen beiden.
In ecclesiasticis findet eine Einteilung in zwei Kirchenspiele statt. Jenes begreift die Ortschaften Seelbach, Neunkirchen und Salchendorf, sodann einen Teil der Unterwilden, was nämlich davon auf der rechten Ufer der Wildenbach liegt, dieses alles übrige außer der Struthütte, welche zum Kirchspiel Daaden, Amts Friedewald gehört.

Häuserzahl in Zeppenfeld:
51 Häuser, ein Schulhaus, ein adliges Haus, das Seelbachische zu Zeppenfeld genannt; eine Eisenhütte neben dem Dorfe; desgleichen eine Mahlmühle neben der Eisenhütte
Von den 51 Häusern gehörten 36 zum Amt Neunkirchen und 15 zum Amt Burbach.

Öffentliche Behörden und Vorstände:
1 Amtsgeschworener, 2 Heimberger, 2 Vorsteher, 1 Schullehrer

Seelenzahl:
416 Seelen, durchgängig revormiert.

Nahrungszweige
Die hiesige Gegend hat nur einen einzigen Hauptnahrungszweig, das Berg- und Hüttenwesen, welches dem Mangel aller übrigen notwendigen Lebensbedürfnisse so ziemlich abhilft, indem in dessen Ermangelung nicht die Hälfte der Einwohner ihren Unterhalt dahier erwerben könnte.
Hiernächst nimmt die Viehzucht die zweite Stelle ein.
Ackerbau kann in hiesiger Gegend teils wegen des rauhen Klimas, teils wegen der Unfruchtbarkeit des überaus felsigen und bergigen Bodens nicht gut gedeihen.
Die Holzkultur ist für die hiesige Gegend von ganz vorzüglicher Wichtigkeit wegen der ungeheuren Kohlenkonsumtion auf den Hütten.
Zeppenfeld hat zwar die größte Gemarkung im Untergrund, ist aber dennoch arm, da wenig Betriebsamkeit unter den Anwohnern herrscht.

Die Betriebsamkeit der hiesigen (im Freien Grund) Eingesessenen ist sehr groß; nur unter großen Anstrenungen und durch die sehr ungesunden Bergarbeiten kann hier der Unterhalt erworben werden.
Keine einzige Gemeinde zeichnet sich durch Reichtum und Wohlstand seiner Bewohner aus, durch Armut aber Seelbach und Zeppenfeld.

Handwerker:
2 Schuster, 2 Schneider, 3 Bäcker, 2 Schreiner, 3 Wirte, 11 Leineweber, 1 Schlosser, 3 Krämer, 1 Wagner, 1 Bierbrauer, 2 Schreiner, 1 Faßbinder.

Schulanstalten:
Jedes Dorf hat seine besondere Schule und Schullehrer, die Schule von gewöhnlicher Art der Dorfschulen. Da indessen die hiesigen Einwohner sehr viel auf eine gebildete und feinere Erziehung der Jugend sehen, so befinden sich mehrere bessere Privat-Unterrichtsanstalten dahier. Überhaupt findet man selbst unter den gmeinen Leuten mehr wissenschaftliche Bildung und feiner Ton als sonst bei bloßen Bauern gewöhnlich ist. Vieles trägt hierzu der starke Verkehr und Handel mit Fremden bei.

Größe der Gemarkung:
Ackerland 407 Morgen, Wiesen 256 Morgen, Waldungen 240 Morgen, Hauberg 1493 Morgen, steril und steuerfrei 24 Morgen, zusammen 2420 Morgen.

Erdreich, Lage, Klima:
Das Erdreich des ganzen Grundes ist durchgängig bergig, steinig, felsig und unfruchtbar, das Klima rauh und kalt, so daß der hiesige Landstrich unstritig zu den rauhesten des ganzen Herzogtums gehört. Zeppenfeld hat waldige mit Haubergen bedeckte Berge, schlechtere Wiesen und Ackerfelder als die anderen Ortschaften.

Fruchtgattungen, Pflanzen, Kräuter
Zeppenfeld produziert 100 Malter Weizenkorn, 80 Malter Gerste, 150 Malter Hafer, 10 Malter Heidekorn, 500 Pfund Flachs. Von letzterem werden jährlich 50 bis 60 Pfund verkauft.

Viehzucht:
Zeppenfeld hat gute Rindviehzucht, wovon jährlich einige Stück verkauft werden können, doch wenig. Die Schafzucht ist unbedeutend. Schweine werden nur zum eigenenen Bedürfnis gekauft und gemästet.

Bergwerke:
Zeppenfeld hat dermalen keine Gruben in Betrieb. Die zwei Gruben Weyerchen und im Mühlenwald - beide mit Bleierzen - liegen jetzt im Freien.

Hütten und Hammerwerke:
Die Zeppenfelder Hütte mit einem Ofen braucht jährlich 168 Wagen Kohlen, welche meist aus dem Wittgensteinschen angebracht werden. Beim Betrieb arbeiten sechs Hüttenleute darauf, ohne die Nebenarbeiter.
Die Zeppenfelder Hütte bläst jährlich 112 bis 116 Wagen, die man auf 8700 Gulden taxieren kann.

Sitten und Charakter der Einwohner:
Zeppenfeld hingegen hat die schlechtesten Charaktere von allen (Ortschaften im Freien Grund).
Leichtsinn, Faulheit, Hang zur Wollust und Kleiderputz, letzteres vorzüglich bei den Weibsleuten, zeichnet sie aus mit wenigen Ausnahmen.

 

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Unsere Hausseite wurde zuletzt am 26. November aktualisiert.